Koscher betrifft weit mehr als die Frage, ob Schweinefleisch erlaubt ist. Die jüdischen Speisegesetze regeln unter anderem, welche Lebensmittel gegessen werden dürfen, wie sie hergestellt und zubereitet werden und welche Speisen voneinander getrennt bleiben.
Was bedeutet koscher?
Das Wort koscher bedeutet sinngemäß „geeignet“, „passend“ oder „zulässig“. Bei Lebensmitteln bezeichnet es Speisen und Getränke, die den jüdischen Speisegesetzen entsprechen. Die Gesamtheit dieser Regeln wird als Kaschrut bezeichnet.
Koscher ist keine bestimmte Geschmacksrichtung und kein eigener Kochstil. Grundsätzlich können Gerichte aus sehr unterschiedlichen Küchen koscher zubereitet werden. Entscheidend sind die Zutaten, ihre Herkunft, die Verarbeitung und die verwendeten Küchengeräte.
Die drei Grundkategorien
Fleischig

Als fleischig gelten Fleisch und Geflügel sowie Speisen, Soßen oder Brühen, die daraus hergestellt wurden. Für koscheres Fleisch gelten zusätzliche Vorschriften zur Tierart, Schlachtung und Verarbeitung.
Milchig

Milchig sind Milch und daraus hergestellte Produkte wie Käse, Butter, Joghurt oder Sahne. Auch Bestandteile und gemeinsam genutzte Produktionsanlagen können die Einordnung beeinflussen.
Parve

Parve bezeichnet Lebensmittel, die weder fleischig noch milchig sind. Dazu gehören grundsätzlich viele Obst-, Gemüse- und Getreidearten sowie Eier. Verarbeitung und Produktionsanlagen können die Einordnung jedoch verändern.
Ein wesentliches Grundprinzip der Kaschrut ist die Trennung von Fleischigem und Milchigem. Sie werden nicht gemeinsam gekocht oder gegessen. In einer traditionell koscher geführten Küche werden dafür getrenntes Geschirr, Besteck und häufig weitere getrennte Küchenutensilien verwendet.
Welche Lebensmittel können koscher sein?
- Koschere Landtiere müssen sowohl Wiederkäuer sein als auch gespaltene Hufe besitzen. Dazu gehören beispielsweise Rinder, Schafe und Ziegen.
- Koschere Fische müssen Flossen und Schuppen besitzen. Schalentiere wie Muscheln, Garnelen oder Hummer gehören deshalb nicht dazu.
- Bei Vögeln gelten eigene religiöse Überlieferungen. Zu den üblichen koscheren Geflügelarten zählen beispielsweise Huhn, Pute, Ente und Gans.
- Fleisch muss von einer erlaubten Tierart stammen und nach den religiösen Vorschriften geschlachtet und verarbeitet worden sein.
- Obst, Gemüse und Getreide kommen grundsätzlich infrage, müssen aber unter anderem frei von verbotenen Insekten sein.
- Bei verarbeiteten Lebensmitteln müssen auch Zusatzstoffe, Aromen, technische Hilfsstoffe und Produktionsverfahren berücksichtigt werden.
Warum reicht die Zutatenliste nicht aus?
Eine scheinbar unauffällige Zutatenliste bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt koscher ist. Auch Hilfsstoffe, Aromen, Produktionsanlagen, Transportbehälter und die Verarbeitung anderer Produkte auf denselben Maschinen können eine Rolle spielen.
Ein grundsätzlich parves Lebensmittel kann beispielsweise auf einer Anlage verarbeitet worden sein, die auch für Milchprodukte genutzt wird. Deshalb lässt sich die koschere Eignung industriell hergestellter Produkte häufig nicht allein anhand der Verpackung beurteilen.
Was ist ein Hechscher?
Ein Hechscher ist ein Koscher-Zertifikat beziehungsweise ein Prüfzeichen einer rabbinischen Organisation oder Zertifizierungsstelle. Es zeigt an, dass Produkt und Herstellung nach den jeweiligen Kaschrut-Vorgaben kontrolliert wurden.
Da verschiedene Zertifizierungsstellen und religiöse Traditionen teilweise unterschiedliche Anforderungen anwenden, wird nicht jedes Zertifikat von allen Menschen gleichermaßen akzeptiert. Für eine verbindliche persönliche Entscheidung sind deshalb aktuelle Koscherlisten oder die Auskunft einer zuständigen rabbinischen Autorität maßgeblich.
Koscher ist keine Gesundheitsangabe
Koscher bedeutet nicht automatisch kalorienarm, biologisch, vegan oder besonders gesund. Die Bezeichnung beschreibt in erster Linie die religiöse Eignung eines Lebensmittels. Auch vegetarisch oder vegan bedeutet nicht automatisch koscher, weil bei verarbeiteten Produkten Zusatzstoffe, technische Hilfsstoffe und Produktionsanlagen entscheidend sein können.
Gut zu wissen
Die Kaschrut ist ein umfangreiches religiöses Regelwerk. Diese Seite vermittelt einen verständlichen Einstieg, kann aber keine individuelle religiöse Beratung oder Koscher-Zertifizierung ersetzen.
Bei verbindlichen Fragen gelten die Angaben anerkannter Zertifizierungsstellen, aktueller Koscherlisten und zuständiger rabbinischer Autoritäten.